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Keine Termine

 Holger Böttjer ist im wahren Leben Staplerfahrer bei einem großen Unternehmen und engagiert sich nebenbei in der Freiwilligen Feuerwehr Zeven. Wie bei vielen seiner Feuerwehrkameradinnen und –kameraden, begann die Feuerwehrkarriere mit der kindlichen Faszination für die roten Fahrzeuge – bei ihm jedoch auf Umwegen. Er selbst ist nicht seit seiner frühesten Jugend in der Feuerwehr aktiv, er ist deutlich später in den aktiven Feuerwehrdienst gegangen. Vielmehr war es sein Sohn, der sich bei der Zevener Kinderfeuerwehr, den Feuerwehrkrokodilen, engagierte und seinen Papa schließlich für den ehrenamtlichen Dienst begeistert hat. Zunächst half er als Betreuer bei der Kinderfeuerwehr tatkräftig mit. Nach einiger Zeit hat er sich schließlich auch für den aktiven Einsatzdienst entschieden und trat als reguläres Mitglied in die Feuerwehr ein. Es folgten zahlreiche Übungsdienste sowie die Grundausbildung bei der Feuerwehr – der Lehrgang zum Truppmann.

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Seitdem ist Holger Böttjer sehr engagiert und stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Das war auch der Grund, weshalb die Feuerwehrführung ihm den Lehrgang zum Atemschutzgeräteträger anbot – eine Zusatzqualifikation, die insbesondere eine große körperliche Beanspruchung darstellt. Holger Böttjer freute sich über das Vertrauen und die tolle Gelegenheit, doch auch der Gedanke „hoffentlich schaffe ich das auch…“ beschäftigte ihn.

Bei anderen Feuerwehren gibt es diesbezüglich durchaus auch kritische Ansichten darüber, ob eine solche Lehrgangsbeschickung in diesem Alter noch sinnvoll sei. Die Zevener Führung positioniert sich jedoch ganz klar: Holger ist immer zur Stelle, ist bei Diensten und Einsätzen dabei und hat sich vieles hart erarbeitet – er hat sich diesen Platz absolut verdient. Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau muss im Vorwege eine ärztliche Untersuchung durchlaufen, damit die körperliche Eignung für diese Tätigkeit nachgewiesen werden kann. Alle paar Jahre muss diese Untersuchung zudem wiederholt werden, ansonsten darf kein Atemschutz mehr getragen werden. Diese Untersuchung durchlief Holger Böttjer problemlos.

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Die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger erfolgt an der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises Rotenburg in Zeven – für Holger lediglich ein kurzer Gang in die Nachbarschaft, denn des Zevener Feuerwehrhaus befindet sich direkt gegenüber. Pro Lehrgang werden 16 Feuerwehrleute ausgebildet. An mehreren Abenden und Wochenenden werden theoretische und praktische Inhalte vermittelt, um für die spätere wichtige Aufgabe in sprichwörtlich erster Reihe eines Einsatzes vorbereitet zu sein.

Holger Böttjer, so ließen die Kreisausbilder wissen, sei mit seinen 50 Jahren tatsächlich der älteste Teilnehmer überhaupt und er hatte dadurch schon zu Beginn des Lehrganges den ersten Rekord sicher. Von einer Altersgrenze halten die Atemschutz-Ausbilder indes nichts. Hier kommt es auf körperliche Fitness und einen wachen Geist an. Es gibt Leute mit Mitte 30, die in einem bedenklichen Gesundheitszustand sind und die Prüfung mit Ach und Krach bestehen, oder die bei den jährlichen Leistungsnachweisen an ihren Grenzen kommen und sogar durchfallen. Dann gibt es eben auch 50-Jährige, die absolut topfit sind und mit guten Leistungswerten den Test absolvieren. Die Entscheidung, ob jemand zugelassen werden sollte oder nicht, sollte daher nicht vom Alter abhängig gemacht werden. Auch Holger Böttjer sollte im weiteren Lehrgangsverlauf noch einige Überraschungen parat haben.

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Nach theoretischen Anteilen ging es gleich an die Praxis. Zunächst wurde das Tragen der Atemschutzmaske ohne Gerät geübt. Mit einem Spaziergang über das Gelände sollte eine Gewöhnung an die Maske erfolgen. Holger Böttjer kannte das Tragen der Maske schon aufgrund beruflicher Erfahrungen, jedoch war es da nicht so intensiv. Das war anfangs schon etwas gewöhnungsbedürftig. Thema waren natürlich die wichtigen Schritte: wie lege ich die Maske richtig an; worauf muss ich achten, damit sie richtig sitzt und wie überprüfe ich die Dichtigkeit. Dann ging es weiter zum eigentlichen Atemschutzgerät. Die Komponenten und Bauteile wurden vorgestellt und welche wichtigen Schritte erforderlich sind, um das Gerät ordentlich vorzubereiten, den richtigen Druck und die Dichtigkeit zu überprüfen und schließlich, das Gerät ordnungsgemäß anzulegen. Schritte, die die Teilnehmer immer und immer wieder durchführen, denn sie sollen fest sitzen und zum Automatismus werden. Diese Schritte können einmal lebenswichtig sein und müssen auch bei großem Stress und in tiefster Nacht sicher sitzen.

Schließlich folgen die ersten Erfahrungen mit den angeschlossenen Atemschutzgeräten. Die schweren Stahlflaschen sind schon an sich eine Belastung, zukünftig kommt aber noch harte körperliche Arbeit auf die Atemschutzgeräteträger zu. Dick eingepackt in hitzebeständiger Schutzkleidung ist das schon eine ordentliche Belastung. Einen ersten Eindruck erhalten die Teilnehmer durch die kurz darauf anstehenden Übungen mit den Geräten, die von ihnen einiges abverlangen und für zahlreiche Schweißperlen sorgen. Zunächst leichte körperliche Belastung mit den Geräten, dann kommt immer etwas mehr dazu. Schließlich das Überwinden von Hindernissen, das Durchkriechen von engen unterirdischen Schächten, bei denen das Atemschutzgerät vom Rücken genommen werden muss und es vor sich durch den dunklen Schacht zu schieben – nichts für Angsthasen also. Parallel wird immer Wissen abgefragt, Begriffe und natürlich die Verfahren geübt. Holger startete mit großem Respekt vor den anstehenden Herausforderungen, war aber selbst überrascht, wie gut es bei den Übungen lief.

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Jährlich müssen alle Atemschutzgeräteträger einen sogenannten Leistungsnachweis erbringen, bei dem sie mit einer Flaschenfüllung von 1.600 Litern Atemluft einen Parcours absolvieren müssen, der einen Energiebedarf von 80 Kilojoule abverlangt. Ein Joule ist die Kraft die man benötigt, um 100 Gramm auf einen Meter Höhe zu bringen. Wenn man einen Feuerwehrmann von 75 Kilogramm nimmt und noch 25 Kilogramm obendrauf packt, wäre das bei 100 Kilogramm Gewicht die notwendige Energie, um diesen Feuerwehrmann auf 80 Meter Höhe zu bringen – und das in ca. 25 Minuten, denn dann wird die Luft knapp. Erreicht wird dieser Energieverbrauch mit einer Hindernisstrecke, die bei Dunkelheit, Hitze und Lärm absolviert werden muss. Anschließend folgen zwei „Trainingsgeräte“ wie die Endlosleiter, der Schlaghammer, das Laufband oder Ergometer nach Wahl des Feuerwehrmannes. Das Ganze dann auch gleich zwei Mal. Ab einem Lebensalter von 50 Jahren gibt es einen Altersbonus, sodass nur noch 60 Kilojoule erbracht werden müssen.

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Auch wenn Holger alle Übungen gut absolviert, so fragt er sich dennoch immer, ob er mit seinem Luftvorrat die Prüfungsstrecke schaffen wird. Diese Zweifel werden dadurch noch verstärkt, als er sieht, dass deutlich jüngere Kameraden mit der angebrochenen Notreserve und pfeifendem Druckwarner aus der Übungsstrecke herauskommen. Auch bei ihm selbst war zwei Mal die Notreserve angebrochen gewesen.

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Während des Lehrganges wird diese Prüfungsstrecke zur zweiten Heimat für die Atemschutzgeräteträger und die Ausbilder variieren die Belastungen, um die Anwärter für ihre Prüfung vorzubereiten. Nebenher werden Suchtechniken bei fehlender Sicht geübt, um z.B. Personen in einem verrauchten Zimmer zu finden. Hier, so eine Ausbilderin, gebe es einen deutlichen Unterschied zwischen älteren und jüngeren Lehrgangsteilnehmern. Jüngere Teilnehmer machen viel mit Kraft, wohingegen die älteren Teilnehmer andere Wege suchten und fanden, um zum Ziel zu kommen. Als in einem Zimmer eine Person unter einem Tisch ertastet wurde, versuchte ein jüngerer Trupp mit vereinten Kräften die Person unterm Tisch herauszuziehen und an allen im Weg stehenden Möbeln vorbei zu gelangen. Die älteren Semester schieben schnell die Möbel weg und bahnen sich einen kurzen Weg nach draußen. Die gute Mischung macht es dann also aus – so die Ausbilder. Weiter geht es mit den zahlreichen kleinen Übungen: Notfalltraining und Wechseln des Druckschlauches an der Atemschutzmaske, gegenseitiges Zudrehen der Atemluftflaschen um das „Leerlaufen der Maske“ kennenzulernen, Suchtechniken ohne Sicht und dazwischen immer wieder das richtige Anlegen und Überprüfen der Ausrüstung. Stetig geht es auf den Prüfungstag zu. Holger fühlt sich bereits sehr sicher, doch ein Gedanke begleitet ihn permanent: „Hoffentlich reicht die Luft.“

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Der letzte Samstag des Lehrganges ist für die Prüfung da. Aus den Lehrgangsteilnehmern ist mittlerweile ein tolles Team geworden – „eine Top-Truppe“ wie Holger resümiert. Auch die Ausbilder werden in den höchsten Tönen gelobt, denn sie haben alle Teilnehmer stets motiviert, sie aus Tälern herausgeholt und ihnen zugesprochen, dass sie es schaffen werden. Doch nun ist es an den Teilnehmern, die Prüfungen zu bestehen. Eine theoretische Prüfung fragt wichtiges Wissen ab, eine kurze Lehrprobe soll zeigen, wie fest der Stoff verinnerlicht wurde und schließlich der berüchtigte Leistungsnachweis im „Käfig“, der beweisen soll, dass man den zukünftigen Aufgaben physisch gewachsen ist. Holger Böttjer, der älteste Lehrgangsteilnehmer überhaupt, und die jüngste Teilnehmerin des aktuellen Lehrganges bilden ein Team an diesem Tag. Mit moderner Technik wird ihr Puls permanent überwacht, durch Kameras bleiben sie auch im dunklen „Käfig“ auf der Hindernisstrecke stets im Blick der Prüfungsleitung. Zur Halbzeit dann Hammerschläge und das Laufband, bevor es erneut in die Übungsstrecke geht. Anschließend wieder Hammerschläge und Laufband – geschafft. Wenngleich Holger nur 60 Kilojoule leisten müsste, will er seinen Lehrgangskameraden und seiner Teamkollegin mit eigener Leistung zur Seite stehen und lehnt seinen „Altersbonus“ ab. Holger Böttjer hat gezeigt, dass er es kann. Sogar mit deutlich niedrigerem Puls als viele jüngere Teilnehmer absolviert er die Strecke und beendet seine Prüfung mit einer kleinen Luftreserve. Wenngleich er diesen Weg in letzter Zeit schon viele Male gegangen ist, so war es doch eine besondere Situation. Mit großer Erleichterung setzt er die Maske ab und gibt seiner Teamkollegin ein „High-Five“ – sie sind nun Atemschutzgeräteträger bei der Feuerwehr.

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Holger Böttjer wird nun seine bisherige orangefarbene Jacke eintauschen gegen eine spezielle schwarze Feuerwehrjacke, Hose und Handschuhe, die für eine große Hitzebeaufschlagung und damit für Atemschutzeinsätze geeignet ist. Er wird sich an den Atemschutzdiensten der Feuerwehr Zeven beteiligen und weiterhin in erster Reihe stehen, wenn er gebraucht wird.

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